In diesem Kapitel geht es um die Baumeisterfamilie Hertel. Hilger Hertel
d.Ä. ist mein Ur-Ur-Großvater mütterlicherseits. Im Folgenden möchte
ich mit einigen wenigen Daten und Bildern an meine Vorfahren erinnern.

Hilger Hertel d.Ä.: 1831-189o

Er hat eine Steinmetzausbildung und die Meisterprüfung im Maurerhandwerk in der Bauhütte des Kölner Doms absolviert. Die Ausbildung hat sich auf alle theoretischen und praktischen Sparten der kirchlichen Baukunst, insbesondere der gotischen, im Sinne der „Kölner Richtung“ erstreckt. Nach einer Mitarbeit im Büro Vincenz Statz(1819-1898) ist er vom Bischof Johann Georg Müller nach Münster berufen worden. Hier hat er als Diözesanbaumeister gewirkt. Er entfaltete in Münster und dem Münsterland eine erstaunliche Aktivität. Zu den Objekten gehören das heutige Fürstenberghaus, die erste Kirche der neuen Pfarrei St. Josef. Weitere Kirchenbauten entstanden für St. Stephanus in Heessen, St. Vitus in Olfen.Zu seinen bekanntesten und renommiertesten Werken gehört der Lamberti-Turmbau (1886-1898) in Münster. In den 188oer Jahren leitete er die Restaurierungen und Bauarbeiten am St. Paulus-Dom in Münster. Eine aufgefundene Liste benennt immerhin 56 Kirchenneubauten, zahlreiche Innenausstattungen und viele Profanbauten. So kann festgehalten werden, dass Hertel den Kirchenbau in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wesentlich mitbestimmte.

Hilger Hertel d.J. 186o-1917

Königlicher Regierungsbaumeister zu Münster Er wird in Kevelaer geboren und absolviert eine Lehre als Steinmetz- und Maurer. Danach schließt sich ein Studium der Bauwissenschaft in München an. Überliefert sind die Zeichnungen, die er für die II. Staatsprüfung zu entwerfen hatte. Die „Aufgabe zur häuslichen Probearbeit“, verlangte eine evangelische Hauptkirche für 15oo Sitzplätze. Zu seinen Werken, die in grßer Zahl mit seinem Bruder gemeinsam entstanden, gehört in Münster: z.B. Heilig Kreuz. Des Weiteren hat er viele Restaurationsarbeiten geleitet, wie z.B. die Wiederherstellungsarbeiten des Salvatorgiebels am Dom zu Münster in der Zeit von 19o3-19o6. 1918 stirbt er in Münster und wird auf dem Zentralfriedhof beerdigt. Die Hertel Strasse in Münster-Roxel erinnert an den königlichen Regierungsbaumeister.

Berhard Hertel: 1862-1927

Dombaumeister z. Köln 1886 beschließt er die Prüfung mit Abschluss als Regierungsbauführer. 189o II. Staatsexamen: Königl. Regierungsbaumeister Fertigstellung des Lamberti- Kirchturms durch das gemeinsame Büro mit seinem Bruder. Während dieser Zeit enstehen weitere Entwürfe im gotischen Stil, wie zum St. Urban. Nach gemeinsamer Führung des väterlichen Büros mit seinem Bruder geht er 1899 wieder in den Staatsdienst. Zu seinen Werken gehören die Bauleitung der Schifferbörse in Duisburg, der Neubau des Amtsgerichtes Berlin-Wedding und die Sakristei St. Johannes in Oelde. 19o3 wird er Dombaumeister zu Köln. Er begründete 19o4 eine neue Dombauhütte.

Neugotik, Zeitgeschichte und der Hertelscher Kirchentyp

1.Neugotik ist ein Retro-Stil im 19. Jahrhundert, bei dem besonders die Architektur auf Stile aus der Vergangenheit zurückgriff, weil sie keine eigenständige Formensprache hatte. Die Formensprache orientierte sich an einem idealisiertem Bild des Mittelalters. 183o bis 19oo war die Hochzeit der Neugotik. 2.Zeitgeschichte 1848- Am 18. Mai trat die erste frei gewählte Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen. 186o- Wiederaufnahme der Bautätigkeiten am Kölner Dom nach 160 Jahren 187o/71- Krieg zwischen Deutschland und Frankreich 1871- 1887 Kulturkampf in Preußen 1876- G.Bell erfindet das Telefon 1878- Weltausstellung in Paris 3.Hertelscher Kirchentyp 1. Im wesentlichen im neugotischen Stil errichtet 2. Materialwahl: Ziegelbau und Naturstein-bzw. Werksteinbau 3. Dreischiffige Halle, zum Teil als Staffelhalle erstellt und die dreischiffige Basilika